Gräwes in Stichpunkten:
Gräwes sieht aus und schmeckt wie Gräwes. Es ist kein Supermodel unter den Gerichten, es ist eine solide Komponente, die zur Not auch mal für sich alleine den Laden schmeißen kann.
Team SPZATL hat zweimal probiert. Einmal in Trier in der Kart###iste, wo das Gericht als Teerdisch auf der Karte stand – so heißt es nämlich in Trier, während die Leute an der Mittelmosel Gräwes sagen und damit exakt dasselbe meinen. Das Trierer Exemplar war sehr einfach gehalten: Kartoffelpüree mit einfachem Sauerkraut gemischt, fertig. Dazu nach Wahl Leberklöße, Kassler, Blut- und Leberwurst. Das war lecker, aber auch nichts, worüber man noch am nächsten Tag nachdenkt.
Aber glücklicherweise gibt es unzählige Rezepte für Gräwes und wer sich nur ein wenig mehr Mühe machen möchte, erhält ein deutlich spannenderes und abwechslungsreicheres Gericht aus Sauerkraut mit Weißwein, Zwiebeln und Speck und gestampften Kartoffeln.
Das komplette Gräwes besteht also aus drei Komponenten, die sich gegenseitig ergänzen. Und genau das ist der Trick: wenn das Püree droht langweilig zu werden, kommt der saure Impuls vom Kraut. Wenn das Kraut zu viel wird, rettet der Speck. Wenn alles zu mild ist, kommen die gebräunten Zwiebeln. Keiner übertrumpft den anderen, aber im Miteinander der Aromen wird so aus einfachen Komponenten eine sehr gelungene Komposition, die sogar am nächsten Tag noch besser war.
Gräwes ist kein Gericht das jetzt richtig viel Eindruck schindet. Es ist das, was die Winzer an der Mosel seit Generationen in den Weinberg getragen haben – für wenig Geld, ohne viel Aufwand, und mit dem glücklich machenden Ergebnis: satt und zufrieden. Gräwes wird gerne mit deftigen Fleischbeilagen kombiniert, aber auch nur mit in Butter gebräunten Zwiebeln kann es bestehen.
Sauerkraut
Speck und Zwiebeln in der Pfanne anschwitzen, Sauerkraut dazugeben, mit Weißwein ablöschen, Lorbeer und Wacholder dazu, bei mittlerer Hitze ca. 30 – 45 Minuten köcheln lassen. Lorbeer und Wacholder entfernen und den Rest bereithalten.
Kartoffelpüree
Kartoffeln in Salzwasser garen, abgießen, ausdampfen lassen, stampfen (nicht pürieren – kleine Stücke dürfen bleiben). Butter und Milch unterrühren, mit Salz und Muskat abschmecken.
Gebräunte Zwiebeln
Zwiebeln in Butter bei mittlerer Hitze schön langsam goldbraun braten.
Hochzeit
Das Sauerkraut unter das Püree heben, abschmecken. Wenn die Masse zu fest ist, mit mehr Sauerkrautflüssigkeit antworten. Zum Anrichten und Servieren die gebräunten Zwiebeln obendrauf geben und Lot et ösch schmecke!
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